Sie ist Anfang 60, graue Haare zum Zopf gebunden, Wanderschuhe fast zu neu. Eine Freundin motiviert sie, mitzukommen. Sie lacht, klopft sich auf den Bauch und winkt ab.
„Der bleibt jetzt so“, sagt sie. Halb scherzhaft, halb überzeugt.
Um sie herum läuft das Leben weiter. Hunde ziehen an Leinen, ein Jogger stoppt seine Uhr, ein Teenager starrt aufs Handy. Ganz normale Szenen, ganz normale Körper. Und doch kreist in vielen Gesprächen unausgesprochen dieselbe Sorge: dieses weiche Polster um die Taille, das nach 50 auftauchte – und sich nach 60 fest eingerichtet hat.
Die Kleidung passt noch. Meistens. Aber jedes Jahr ein Knopf früher, jede Hose etwas enger.
Was wäre, wenn der Schlüssel nicht in härteren Übungen liegt, sondern in etwas so Alltäglichem, dass es kaum jemand als Training wahrnimmt?
Warum „mehr machen“ oft genau das Falsche ist
Nach 60 greifen viele zu bekannten Strategien: mehr Bewegung, kleinere Portionen, vielleicht ein Fitnessstudio. Die Waage reagiert kaum. Der Bauch schon gar nicht. Schnell entsteht der Gedanke: Das ist jetzt halt das Alter.
Doch Bauchfett in diesem Lebensabschnitt ist selten nur eine Frage von Kalorien. Hormone verändern sich, Stress wirkt stärker, Schlaf wird leichter. Der Körper reagiert anders auf Belastung. Man kann fleißig Sit-ups machen und trotzdem bleibt diese weiche Zone unter den Rippen bestehen.
Das Ergebnis: mehr Anstrengung, mehr Müdigkeit – und das Gefühl, gegen eine Wand zu arbeiten.
Der unterschätzte Faktor, den fast niemand zählt
Forschungsdaten zu Menschen über 60 zeigen ein klares Muster: Je mehr Zeit im Sitzen verbracht wird, desto mehr Fett sammelt sich im Bauchbereich – selbst bei Menschen, die offiziell „sportlich aktiv“ sind. Eine Stunde Training am Tag gleicht keinen überwiegend sitzenden Alltag aus.
Ein Beispiel:
Robert, 67, ehemaliger Ingenieur. Jeden Tag ein 20-minütiger Spaziergang, stolz dokumentiert von seiner Uhr. Der Arzt war zufrieden. Sein Bauchumfang nicht. Jahr für Jahr wanderte der Gürtel ein Loch weiter.
Erst als seine Enkelin ihm zeigte, dass diese Spaziergänge am Ende nur rund 3.000 Schritte pro Tag bedeuteten, fiel der Groschen. Der Rest des Tages: Sessel, Zeitung, Tablet.
Als er begann, seinen Alltag so umzustellen, dass er auf 8.000 bis 9.000 Schritte kam – nicht durch längere Spaziergänge, sondern durch mehr Bewegung über den Tag verteilt – änderte sich etwas. Die Ernährung blieb ähnlich. Bauchübungen ließ er komplett weg. Der Gürtel wanderte zurück.
Warum das gerade nach 60 so wichtig ist
Mit zunehmendem Alter verlieren wir natürlicherweise Muskelmasse, besonders in Beinen und Rumpf. Weniger Muskel bedeutet weniger Grundumsatz. Gleichzeitig nimmt das sogenannte viszerale Fett zu – das Fett, das tief im Bauchraum sitzt und die Organe umgibt.
Dieses Fett reagiert weniger auf klassische „Bauchübungen“, dafür stärker auf regelmäßige, dynamische Bewegung großer Muskelgruppen. Gehen, richtig eingesetzt, aktiviert genau diese Muskeln. Nicht als gemütlicher Spaziergang, sondern als bewusste, etwas zügigere Bewegung, die den Körper über Stunden hinweg immer wieder fordert.
Fazit
Nach 60 geht es nicht darum, härter zu trainieren. Es geht darum, den Körper häufiger in Bewegung zu bringen – verteilt über den Tag. Nicht heroisch. Nicht schweißtreibend. Sondern konstant.
Der Bauch verschwindet nicht, weil man ihn bekämpft.
Er verschwindet, weil der Rest des Körpers wieder mitarbeitet.