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Besuch auf Schloss Gottorf

Voll freudiger Erwartungen machten wir uns als gesamte Familie an diesem Sonntag zu einem Ausflug nach Schleswig zur Museumsinsel Schloss Gottorf auf. Das Familienticket konnten wir positiv überrascht für nur 19€ erwerben.

 

Zunächst wollten wir das Archäologische Museum erkunden. Der Anfang gestaltete sich verheißungsvoll. Ein großer Modellnachbau einer Hansekogge empfing uns mit durch Bewegungsmelder ausgelöster passender Geräuschkulisse. Meine Kinder (7, 5 und 3 Jahre) standen mit leuchtenden Augen davor.

 

Nur wenige Schritte entfernt wurde dieser gelungene Einstieg in das Museumserlebnis noch vertieft. Hier war auf einem Kindertisch die Möglichkeit gegeben, mit hölzernen Spielhäusern und Mauerelementen eine mittelalterliche Stadt nachzubauen. 

 

Wie schön wäre es gewesen, wenn sich auch in den nachfolgenden Ausstellungsräumen die verschiedenen Gegenstände der Sammlung mit leicht aufnehmbaren pädagogisch aufbereiteten Elementen abgewechselt hätten. Diese Hoffnung verflüchtigte sich allerdings nur allzu bald. Raum für Raum für Raum wurde die Sammlung in alten Vitrinen ausgestellt, Texttafel reihte sich an Texttafel.

 

Innerhalb kürzester Zeit waren wir nicht nur von der Informationsdichte erschlagen, sondern auch von der wenig abwechslungsreichen Darbietungsform der Ausstellungsstücke. Hier und da wurde versucht, durch kleine Videosequenzen oder auch mal eine Hörprobe alter Kirchenmusik das Vermittlungsmedium abzuwechseln, doch je tiefer wir in die Ausstellungsräume vordrangen, desto seltener wurden auch diese kläglichen Versuche, bis wir schließlich an einem ganz und gar leeren Kindertisch in einem ebenso leeren, unbeheizten Raum gänzlich vom Vermittlungsprogramm allein gelassen wurden und die Kinder irritiert fragten, was es denn mit diesem Raum auf sich habe. Der im angrenzenden Raum vorhandene Tisch mit vier Stühlen für Erwachsene war leider ebenso leer. 

 

Auf seiner Website wirbt das Landesmuseum mit Aussagen wie "Die Schleswiger Museumsinsel bietet einen spannenden Ausflug in die Geschichte Schleswig-Holsteins" oder "Der Fachbereich Bildung & Vermittlung der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen […] sorgt dafür, dass der Museumsbesuch zu einem ganz besonderen Erlebnis wird." Vom "Botschafter der Kultur für und in Schleswig-Holstein" fehlte allerdings auch im Museum für Kunst und Kulturgeschichte jede Spur.

 

Seit meiner Tätigkeit im Schloss Gottorf vor knapp zehn Jahren hat sich an der Darstellung und Vermittlung der Dauerausstellung trotz des in den Archiven schlummernden riesigen Fundus an kulturellen Schätzen praktisch nichts verändert. Gerade als Familie fühlten wir uns von der Kultureinrichtung Museum im Stich gelassen, ja im Museum geradezu fehl am Platze. Doch sind nicht unsere Kinder von Heute die Kulturförderer von Morgen?

 

Museum muss und kann begeistern, mitreißen und Neugierde wecken. Es kann Kultur erlebbar machen, einprägsam und lehrreich sein. Und nur wenn dies umgesetzt wird, kann es gelingen, auch den nachrückenden Generationen die kulturelle Wertschätzung beizubringen, die es benötigt, um Kunst und Kultur zu pflegen, zu erhalten und zu schaffen! 

 

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