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Zweites Treffen

 

Zweite Runde, neues Spiel. Heute begannen wir direkt mit der Gemäldearbeit. Nachdem die Kinder sich beim letzten Treffen aus den vierzehn mitgebrachten Gemälden frei Bilder aussuchen durften, standen ihnen dieses Mal nur noch sechs Kunstwerke zur Verfügung – jene, die sie vor einer Woche hatten liegen lassen. Zu diesen Gemälden durften sie mit einer zugehörigen Requisite frei eine kurze Szene vorspielen.

 

Was beim vorherigen Treffen schon deutlich wurde, bestätigte sich auch dieses Mal erneut: das freie Theaterspielen ist gar nicht so einfach, viele Kinder erzählten größtenteils, was für eine Szene sie sich zu dem Gemälde ausgedacht haben, anstatt diese tatsächlich szenisch darzustellen. Dennoch bemühte sich jeder sehr und wir kamen den Gemälden durch genaues Betrachten einen weiteren Schritt näher.

 

Da es heute viele hibbelige Füße gab, machten wir im Anschluss eine kurze Pause, in der die Kinder sich untereinander absprachen, dass sie jetzt mit der gesamten Gruppe ein eigenes Theaterstück ausprobieren wollten. Ich rückte also von meinem Konzept für die Stunde ab und ließ die Kinder sich ausprobieren.

 

Nach einer kurzen, intensiven Besprechungsrunde, in der Rollen verteilt und definiert wurden – alles in Eigenregie der Kinder – durften sie dann zwölf Minuten aufführen. Die szenische Umsetzung gelang deutlich leichter, es war kein erzählendes Beschreiben mehr, sondern richtiges Schauspiel.

 

Im Anschluss tauschten wir uns über die Eindrücke der Kinder aus, was gefallen hatte und was weniger. Es wurde schnell offensichtlich, dass die Inhalte, die deutlich besprochen und dann auch so ausgeführt worden waren, am besten gefallen hatten: so etwa die Einteilung in zwei Szenen mit Bühnenumbau zwischendurch – das habe so professionell gewirkt – und die erste der beiden Szenen, die in der Vorbesprechung noch recht detailreich ausgearbeitet worden war.

 

Weniger gut gefiel den Kindern das dann aufgekommene Durcheinander, als jeder begann seine Rolle frei auszuformen, da hier nicht mehr genug im Beginn zusammen geplant worden war. Eine gewisse Hilflosigkeit war entstanden und die Konzentration verloren gegangen. Es war nicht mehr miteinander, sondern eher nebeneinander her geschauspielert worden. Auch waren einige Kinder enttäuscht von der Umsetzung der verschiedenen Rollen, da sie bereits im eigenen Kopf die Rolle anders ausgeformt hatten. Konzeption, Rollenbesetzung, Bühnenbild – drei wesentliche Bestandteile, mit denen die Kinder hier in Kontakt gekommen sind und ohne die ein Theaterstück schnell im Chaos endet. Dessen sind wir uns miteinander bewusst geworden. Eine wichtige Erkenntnis auf dem Weg hin zu unserem eigenen Bühnenwerk!

 

Die Grundidee des Stückes war aber durchaus ansprechend und für die Gruppenstärke günstig gewählt. Wir behalten die Szenen im Hinterkopf und haben darin vielleicht bereits den Grundstock für unser Bühnenwerk gefunden – als ich ihnen dies mitteilte, quittierten die Kinder es mit begeisterten Ausrufen.

 

Zum Abschluss übten wir uns noch in der pantomimischen Darstellung verschiedener Emotionen, was die Kinder sehr motiviert und bemüht angegangen sind. Hierin und durch die bisher gespielten Sequenzen zeigen die Kinder schon erste Vorlieben für gewisse Charakterzüge von umzusetzenden Rollen.

 

Die Arbeit mit den Kindern heute war wie letztes Mal sehr intensiv. Gerade in der großen Szene, die die Kinder gemeinsam aufgeführt haben, hat sich gezeigt, dass die Gruppe sich schon in nur diesen zwei Sitzungen gut zusammen gefügt hat, dass die Kinder sehr kooperativ und hochmotiviert sich untereinander verständigen und einigen können und dass gerade der Gedanke, ein eigenes Theaterstück zu entwickeln, große Begeisterung auslöst. Eben von diesem Theaterstück sehe ich bereits am Horizont die ersten Umrisslinien auftauchen und freue mich, die Kinder in diesem großartigen kulturellen Schaffungsprozess begleiten und unterstützen zu können!

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Kommentare: 1
  • #1

    Lewi (Donnerstag, 07 Februar 2019 08:10)

    Vielen Dank für diese Eindrücke, Fee! Ich freue mich, dass die Kinder soviel Freude daran haben, etwas eigenes zu kreieren. Weiterhin viel Spaß & Erfolg!