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Besuch des Hansemuseums in Lübeck

Nach ausgedehnten Strandspaziergängen, Schwimmbadbesuch, Spielenachmittagen und Movie Nights der letzten Wochenenden wollten wir an diesem Sonntag mal wieder etwas Kultur schnuppern gehen. Daher brach unsere Familie morgens bei traumhaftem Frühlingswetter nach Lübeck auf - sowieso eines unserer Lieblingsausflugsziele, egal zu welcher Jahreszeit; heute allerdings mit dem klaren Ziel Europäisches Hansemuseum. Und es lohnte sich: Wir waren hellauf begeistert! 

 

Schon der Eingang auf das Gelände von der Seite des Burgklosters aus überzeugt von der Familientauglichkeit. Denn trotz begrenzter Platzressourcen wartet vor einem kleinen heimeligen Café ein Spielplatz auf die jüngeren Besucher. Hier durften sich unsere drei Großen erst einmal in Ruhe "ausspielen", ehe wir langsam das Außengelände erkundeten. Die vielen farblich abgesetzten Linien, die im Boden entlanglaufen und laut dezent verteilten Beschriftungstafeln die Spuren der Geschichte nachzeichnen - so zum Beispiel die alten Trennmauern des Gefängnisinnenhofes, luden unsere Kinder gleich zu neugierigen Fragen ein. Der Einstieg in den kulturellen Diskurs diesen Tages war auf diese Art intrinsisch motiviert von unseren Kindern vorgegeben. 

 

Gemütlich schlenderten wir schließlich zum Haupteingang. Hier lassen große Glasscheiben den Blick auf den Zugang zu einer archäologischen Ausgrabungsstätte zu. Davor sind mehrere Computerterminals verteilt. Das Interesse unserer Kinder und uns selbst war erneut gefesselt. Vom Museumspersonal wurde dies sofort wahrgenommen und uns wurden freundlich und verständlich einige Eingangsinformationen gegeben. Kurze Zeit später durften wir durch eine große Glastür auf eine Brücke im Halbdunkel vortreten, die uns zum Fahrstuhl führte, mit dem es schließlich hinab ins Dunkle geht, in dem nur durch Spotlights die Ausgrabungsstätte effektvoll hervorgehoben wird. Sehr gelungen wird hier das Interesse gebündelt und erwartungsvolle Spannung produziert. 

 

Auch im Hansemuseum erwarten den Besucher natürlich eine wahre Flut an Informationen. Das Vermittlungskonzept ist allerdings wirkungsvoll darauf ausgelegt, diese Flut gezielt auszusieben. So dient das Einlassticket gleichzeitig als Führer durch die Ausstellung, welches an den Computerterminals am Eingang individualisiert programmiert werden kann. Ausgewählt wird aus vier Sprachen, 50 europäischen Städten und vier Interessengebieten. Mit den Tickets werden dann innerhalb der Ausstellung Informationstafeln aktiviert, die anhand der vorherigen Auswahl Informationen präsentieren. Zusätzlich sind Texttafeln verteilt, auf denen wiederum dezent leuchtende Inhalte das Wesentliche der Tafeln hervorheben. So ist es dem Besucher auch durch nur kurze Blicke auf die Tafeln möglich, die grundlegenden Informationen rasch herauszufiltern. Zusätzlich gibt es zahlreiche "Hörstationen", in denen Audioguides einzelne Themenschwerpunkte erklären. 

 

Die Ausstellung selbst gliedert sich in verschiedene Schauräume, in denen zunächst in dunklen szenisch inszenierten Schauplätzen historische Situationen rekonstruiert werden, durch welche der Besucher hindurchschreitet. Seh-, Hör-, Tast- und sogar Geruchssinn werden angesprochen, sodass ein tiefes Eintauchen in die historische Kulisse gelingt. Zwischen den einzelnen Schauplätzen sind kleine "klassische" Ausstellungsräume, in welchen in Vitrinen historische Fundstücke präsentiert werden. 

 

Allein durch die Informationsaktivierung durch die Tickets wird der Besucher immer wieder motiviert, seinen Besuch aktiv zu gestalten. Die abwechslungsreiche Darbietungsform der Informationen durch Texttafeln, Monitore und Audioelemente wirkt dem "Überflutungseffekt" entgegen. Eine Fotostation, in der verschiedene historische Gewandungen zur Verkleidung animieren, ergänzt das Vermittlungsprogramm ansprechend. 

 

Mein Mann und ich, aber auch unsere Kinder waren von der Ausstellung rundum gefesselt. Die Kinder freuten sich sehr über die spezielle Funktion ihrer Tickets, sie blieben immer wieder stehen, schauten, fragten und suchten nach Audioguides. Die szenische Inszenierung führte zu Aussagen wie "Oh, was gibt es denn hier Interessantes zu sehen", woraufhin das Ticket gezückt wurde, um den Informationsbildschirm zu aktivieren. 

 

Mein Fazit: das Vermittlungskonzept geht voll und ganz auf. Selbst jüngere Kinder werden von der Ausstellung angesprochen und ihre Neugier geweckt, sodass wir immer wieder über das Gesehene ins Gespräch kamen. Wir als Erwachsene konnten, wenngleich wir unseren Kindern viel Aufmerksamkeit gaben, anhand der sinnigen Aufmachung der Texttafeln innerhalb kurzer Zeit viele wichtige Informationen aufschnappen. Wir erhielten einen spannenden Einblick in die Vergangenheit und anstatt uns überwältigt von der Ausstellung zu fühlen, wurde im Gegenteil die Lust nach "Mehr" geweckt. 

 

Einziger Wehmutstropfen an diesem Tage: das schöne Foto in historischer Kleidung haben wir am Ende dann doch vergessen abzuholen. Nur ein Grund mehr, bald wieder ins Hansemuseum zu gehen!

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