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Kieler Stadtgalerie: An der Nordkante

"An der Nordkante: Der Mensch in der finnischen Gegenwartskunst" - die aktuelle Ausstellung in der Kieler Stadtgalerie; eine wunderbar gelungene Ausstellung, die Ihr nicht verpassen solltet!

 

Schon der Eintritt in die Ausstellung beeindruckt: auf einem ca. hüfthohen, acht Meter langem dunklen Sockel werden 29 menschliche Köpfe präsentiert, die sich unter grau-schwarzen wollenen Sturmhauben zu verstecken scheinen. Beklemmung, Unbehagen, aber vor allem - da es sich schließlich offensichtlich um ein Kunstwerk handelt - Neugierde werden sofort geweckt. 

 

Die gesamte weitere Ausstellung ist erfrischend luftig angeordnet: die Kunst darf ganz für sich sprechen, die Beschriftung ist auf ein Minimum reduziert, Stellwände gliedern die Werke übersichtlich nach Künstlern. Wer sich nach mehr Information sehnt, kann zu dem am Eingang kostenlos zur Verfügung gestellten Leaflet greifen, welches in knappen Worten die wichtigsten Angaben zu den Künstlern und ihren Werken zusammenfasst. Oder - für diejenigen unter Euch, die noch tiefer einsteigen möchten - Ihr könnt immer donnerstags um 17Uhr an der ebenfalls kostenfreien Führung teilnehmen - wie ich es gemacht habe. 

 

Die Ausstellung thematisiert den Menschen in der finnischen Gesellschaft aus unterschiedlichen Blickwinkeln: so untersucht zum Beispiel ein Künstler in seinen Fotografien die Beziehung von Geschwistern zueinander, ein anderer fokussiert sich auf das Volk der Samen, wieder ein weiterer verweist auf die "Entvölkerung" der ländlichen Gegenden Finnlands. 

 

Mit persönlich gefielen die "Pixel-Portäts" von Sami Lukkarinen besonders gut. Als Grundlage dienen ihm verpixelte Fotos unter anderem seines Sohnes, die er mit dickem Farbauftrag auf Leinwände überträgt. Je näher der Betrachter an diesen Gemälden steht, desto mehr löst sich das Gesamtbild in seine reliefartigen Strukturen auf, während mit zunehmendem Abstand die dargestellte Person immer klarer zum Vorschein tritt. In Vorbereitung auf diese Gemälde hatte ich absichtlich anstatt meiner Kontaktlinsen die Brille gewählt und konnte so die Pixel durch meine starke Kurzsichtigkeit noch besser in ihr Gesamtbild zusammenfügen. Ein beeindruckender Effekt! 

 

Ich kann Euch den Besuch dieser Ausstellung nur wärmstens ans Herz legen. Der Eintritt ist frei. 

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